So wichtig in unseren Augen eine gesunde Fehlerkultur für ein Unternehmen ist, so wichtig ist es aus unserer Sicht nicht jeden Fehler, den es gibt, selbst zu machen. Es gibt Menschen und Unternehmen da draußen, die Fehler begangen haben, aus denen wir lernen können. Ein paar dieser Fehler schauen wir uns heute an. Zum einen, weil wir aus diesen Fehlern lernen können, zum anderen um uns bewusst zu machen, dass es nicht das Ende der Welt ist, wenn wir Fehler machen.

Tchibo Share

Die Idee war gut. Sie war nachhaltig. Sie war zeitgemäß. Sie war vernünftig. Dennoch existierte das Unternehmen Tchibo Share lediglich von Januar 2018 bis September 2020. Tchibo Share war angetreten die Modewelt auf den Kopf zu stellen. Statt Kleidung zu kaufen und dann im Schank nach ein paar Mal tragen versauern zu lassen und den eigenen Kleiderschank mit immer mehr Klamotten zu verstopfen, setzte Tchibo Share auf die Idee Kleidung zu mieten.

Doch egal wie gut die Idee war, das Team war nicht in der Lage diese wirtschaftlich erfolgreich umzusetzen. Das Projekt wurde eingestampft, nachdem Corona einen 30 % Umsatzrückgang verursacht hatte. Doch dies war nicht der einzige Grund, warum das Projekt heute nicht mehr existiert, wie Teile des Teams in einer Podcast-Folge berichten. Zwei wichtige Gründe für das Scheitern waren, dass

  1. das Team den Aufwand unterschätzte, den es bedeutet einen neuen Markt zu erschließen
  2. die Kunden in Zeiten der Krise verzichtbare laufende Kosten eliminieren

USB-Stecker

Aus heutiger Sicht wirkt die Geschichte des USB-Steckers wie ein jahrzehntelanger Dauersiegeszug. Wir laden unsere Smartphones via USB, schließen Mäuse und Monitore via USB an unseren Rechner an und nutzen USB-Sticks, um schnell Daten von A nach B zu transportieren. Warum zum Kuckuck taucht der USB-Stecker in diesem Beitrag auf? Nun, weil eine der ersten Präsentationen des USB-Steckers vor einem großen Publikum eine glorreiche Bauchlandung war, aus der wir etwas Wichtiges lernen können.

Wir schreiben das Jahr 1998. Wer einen Drucker oder irgendein anderes Gerät das erste Mal an seinen PC anschließen möchte, überlegt sich drei Mal, ob das wirklich notwendig ist. Denn das Verbinden der zwei Geräte ist viel zu oft ein heute kaum noch vorstellbarer Aufwand. Nachdem das Kabel steckt, geht die Suche nach einem passenden Treiber los. Ist dieser nach einer gefühlten Ewigkeit endlich installiert, gilt es Daumen drücken, dass alle anderen Programme und Geräte weiterhin ohne Einschränkungen laufen.

Am 20.04.1998 soll dieser nervenraubende Geräte-miteinander-verbinde- Prozess endlich ein Ende haben. Bill Gates, der Gründer von Microsoft und sein Assistent Chris Capossela stehen – wie in diesem YouTube Video zu sehen ist – auf einer Bühne. Das Publikum vor Ort ist ebenso gespannt wie die anwesenden Journalisten. Im vollen Vertrauen in die fantastische Technik, die die beiden der Welt präsentieren werden, steckt Chris einen USB-Stecker in den PC und erklärt dem Publikum, was gleich passieren wird.

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Doch der Rechner macht Chris einen dicken blauen Strich durch die Rechnung. Statt des erhofften “Hey ich habe das Gerät erkannt und installiere kurz den passenden Treiber” zeigt das damals brandneue Windows 98 seinen gefürchteten Blue Screen. In diesem Moment weiß Chris, dass er verloren hat. Den Blue Screen zu fixen, würde zu lange dauern und es gibt keine Garantie, dass die Sache nach einem Neustart funktioniert. Das Lachen des Publikums zeigt, dass viele die da sitzen den Blue Screen kennen und wissen, wie Chris sich da oben auf der Bühne neben dem wichtigsten Mann von Microsoft fühlt.

In dieser nicht nur für Chris sehr unangenehmen Situation mach Bill Gates etwas Magisches. Er bleibt gelassen und scherzt mit Chris, dass diese Fehlermeldung wohl der Grund ist, warum Microsoft Windows 98 noch nicht ausliefert. An dieser Stelle können wir von Bill Gates lernen. Er zeigt in diesem Moment wie sich die perfekte Führungskraft in der Öffentlichkeit verhalten sollte, wenn etwas im eigenen Team nicht so läuft wie geplant. Er stellt sich an die Seite von Chris und stärkt ihm den Rücken.

Teslas Cybertruck

Ähnlich wie Chris erging es viele Jahre später Elon Musk bei seiner Präsentation des Cybertrucks. Elon Musk ist bekannt dafür, dass er im ersten Anlauf nicht nach Perfektion strebt. Bei seinen Projekten geht es darum möglichst schnell Fortschritte zu machen. Das bedeutet, dass das Unternehmen aus Fehlern lernt, indem es sie analysiert und schaut, wie es sie zukünftig behebt. Für die Kunden bedeutet das, dass die Software in ihrem Fahrzeug beim Kauf vielleicht nicht wirklich gut ist, doch sobald Tesla es besser kann, erhalten auch alte Fahrzeuge kostenlos das neuste Softwareupdate.

Die Fehlertoleranz zeigt sich auch auf der Bühne. Die Show ist nicht Punkt für Punkt einstudiert. Elon Musk stolpert immer wieder in der Reihenfolge der Themen, hat es schwer mit den Informationen, die hinter ihm auf dem Screen zu sehen sind, synchron zu bleiben. Doch diese kleinen Fehler tun der Begeisterung des Publikums keinen Abbruch. Selbst als bei Minute 11 und 58 Sekunden in diesem YouTube Video der Test des schusssicheren Glases voll daneben geht bleibt Elon Musk relativ gelassen und kommentiert den Fehlschlag mit einem lapidaren

“Die Kugel ist nicht durchgeschlagen. Nicht so schlecht. Es gibt Raum für Verbesserung.”

ab. In keinem Moment stellt er Franz von Holzhausen, der die Kugeln auf den Wagen geworfen hat und zudem seit 2008 der Chefdesigner von Tesla ist bloß oder greift ihn an.

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Das krasse Gegenteil zu Elon Musks Auftritt ist die Präsentation von Steve Jobs bei der Vorstellung des iPhone 4. Die Präsentation ist eingespielt und läuft reibungslos, bis das Publikum Steve Jobs bei Minute 10 dieses Videos einen fetten Strich durch die Rechnung macht. Eigentlich will Steve den Leuten gerade zeigen wieviel performanter das iPhone 4 gegenüber seinem Vorgänger ist, doch beim Öffnen der Webseite der New York Times baut sich die Webseite auf dem alten iPhone-Modell auf und auf dem Neuen nicht.

Im ersten Moment scheint Steve Jobs damit leben zu müssen, dass dieser Teil seiner Präsentation nicht so lief wie gewollt, doch 22 Minuten später hat er den Grund für die Fehlfunktion des neuen Telefons entdeckt. Das Publikum ist schuld an dem Präsentationsdesaster. Es hat 570 Wifi Stationen dabei, die verhindern, dass das iPhone 4 vernünftig ins Internet kommt. Von Minute 32 bis Minute 37 sorgt Steve Jobs mit einigen Seitenhieben dafür, dass das Publikum die eigenen Geräte beiseitelegt und abstellt, damit er seine Präsentation wie ursprünglich geplant beenden kann. Er geht an einer Stelle sogar so weit zu sagen, dass jeder seinen Sitznachbarn genau im Auge behalten soll, damit dieser ja nicht auf die Idee kommt seine Wifi Base Station wieder zu aktivieren.

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Steve zeigt an dieser Stelle mit Bravour was passiert, wenn sich Führungskräfte und Unternehmen zu wichtig nehmen und zu sehr auf das eigene Ansehen bedacht sind. Diese Art von Führungskräften war in einer Welt, in der sich Technologien nur langsam entwickelten und viel Zeit für Perfektion blieb, großartig. Diese Art von Führungskräften haben unter anderem die Marken Made in Germany und Apple stark gemacht. Doch diese Art von Führungskräften werden in einer Zukunft, in der Teams gemeinsam Großartiges erschaffen, in vielen Unternehmen nicht mehr gebraucht.

Fazit

Hast Du Dir die Audio- und Video Dateien in diesem Beitrag angeschaut? Hattest auch Du das Gefühl, dass Tchibo, Microsoft und Tesla bei Ihren Präsentationen deutlich freundlicher und sympathischer rüberkamen als Steve Jobs? Fehler machen und aus ihnen zu lernen ist (solange es kein Leben kostet und niemandem schadet) wichtig für jedes Unternehmen. Nicht jeder Fehler muss vom eigenen Unternehmen gemacht werden. Wir können dank zahlreicher Podcasts, YouTube Videos und Blogbeiträgen aus den Fehlern anderer Unternehmen lernen.

Doch Vorsicht, diese Art des Lernens kann süchtig machen. So süchtig, dass Du schon bald eine Fuck-Up Night besuchst, um live zu erleben, wie Unternehmen über ihr eigenes Scheitern berichten und wer weiß, vielleicht bist auch Du schon einmal gescheitert und hast damit das Material für eine eigene Fuck-Up Night auf der Du nicht nur die Marke Deines Unternehmens stärken, sondern auch wertvolle Netzwerkkontakte knüpfen kannst.